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Naschmarkt
Frühlingsbeginn&Gleichgewicht der Kräfte
Veronika Schenter
08.03.2009

Mein Weg zur tiefen Liebe in mir - zu mir selber. 

Ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht:

Dieser Winter war so furchtbar für mich, dass ich noch gar nicht glauben kann, dass Frühling werden kann.

Mitte Jänner erlebte ich in meiner langjährigen Liebesbeziehung eine der tiefsten Verletzungen meines Lebens. Ich fühlte mich ohnmächtig vor Wut, schrie und tobte in meinem Schmerz, weinte vor Verzweiflung, Enttäuschung und Trauer. Ich scharrte eine Gruppe von liebevollsten Begleiter/innen um mich, alleine konnte ich es nicht durchgehen. Zu tief war der Abgrund. 

Sie nahmen mich in den Arm, spürten und reflektierten mit mir - und brachten mich zu der Erkenntnis: ich bin nicht nur im Aussen angelogen und betrogen worden - ich hab MICH SELBER genauso angelogen und betrogen!! Diese Wahrheit war genauso schlimm, wie die kurz davor. Ich fiel noch tiefer. Bis ich eines Tages aus einem Alptraum aufwachte - und das Gefühl hatte, ich werde jetzt wahnsinning vor Schmerz. Ich rief um Hilfe - ein Freund war da - und ich wachte auf mitten in meinen Kindheitstraumen. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Alle Illusionen, die es gab, waren hier weg. Gleichzeitig in dem, dass ich hinschaute - das uralte Leid fühlte - begann die Stärkung.

Ich hab 6 Wochen lang jeden Tag geweint. In dieser Zeit hab ich mein inneres Kind wieder zurückgeholt. Ich hab einen weiteren geliebten Menschen verabschieden müssen. Ich bin der strahlenden Kriegerin in mir begegnet.
Ich gehe durch, in sehr kleinen Schritte. Begleitet von alten und jungen Freundinnen. Von Männern, die mit mir weinen. Von Naturwesen und weisen Frauen, die meine Seele halten. Vom AMS, das meinen Bezug überraschenderweise verlängert hat und ein Coaching finanziert. Von Kursen, die ich geschenkt bekomme - bis hin zu einem CSR-Lehrgang!!! Von stärkender nährender heilsamer Körper- und Seelenarbeit von unterschiedlichsten Therapeut/innen, die ich mit meinen Talenten bezahlen kann.

Mit den Tränen entdecke ich, wie sehr ich Lust hab endlich wieder zu spielen! Und ich folge der Leichtigkeit: Ich singe lauthals Kraftlieder, während ich im stürmischen Schneetreiben am Naturkinderspielplatz mich hochschaukle. Wir kugeln im weichen Schnee den Hang hinunter wie 3 jährige Gören. Ich tanze Spiralen in das frisch geschneite weiße Pulver, das auf den Weg gefallen ist. Ich mach mit beim "Tanzen in der U-Bahn für mehr Lebensfreude". Und stolziere mit Freundinnen, als Kaiserinnen verkleidet, in Geheimnisse gehüllt, durch den vollbesetzten Festsaal des Rathauses - anläßlich des intern. Frauentages. (davon gibts auch Fotos: www.wild-wechsel.net) Und das alles ist erst der Anfang, spür ich...

Täglich wachsen meine neuen Kräfte in kleines Stück. Und die Erfahrungen der Lebensfreude und Fülle mehren sich. Das Urvertrauen nimmt wieder seinen Platz ein.

Immer wieder überrollt mich die Wut, ich tobe und trauere, in Du-Botschaften, später in Ich-Botschaften. Ich will ihm, dem Auslöser, all diesen Schmerz umhängen. Irgendwann spür ich, so komm ich nicht weiter. Und ich fang an, als die nächste Welle anrollt, mich hinzuwenden - ihr ins Auge zu schaun und zu sagen: "Ja, du Schmerz, ich sehe dich. Du bist da und wild und grenzenlos. Ich nehme dich jetzt ganz zu mir". Ich beginne, meine Ängste, meine Schrecken, mein Grauen, meine Trauer, Eifersucht - was auch immer - zu umarmen. All dies sind Kräfte - MEINE Kräfte!! 

Ich erlaube mir, diese Verletzheit ganz zu mir zu nehmen. Zuzulassen, dass ich halb voll vor Verwundungen und Schmerzen und halb voll vor Leichtigkeit und Lebensfreude bin. Ich wollte alles dafür tun, dass es so schnell wie möglich geheilt wird. Wollte es schnell weg und gewandelt haben.
Es geht nicht. 

Die Seele braucht Zeit. Eine andere, als ICH mir vorstelle. Vielleicht wird manches auch nie ganz heil sein. Ich werde täglich achtsamer mit mir. Und merke, wie mir das kaum gelingen mag. Vielleicht ums besser integrieren zu können, bin ich jetzt 2 Wochen in eine riesige körperliche Erschöpfung gefallen - und dadurch langsamer und sanfter zu MIR und meinen Prozessen geworden.

Ich weiß  nicht, wann die Trauer und Enttäuschungen aus der Liebesbeziehung, die alten Bilder aus Kindheit und Jugendzeit, vorbei sind. Ist jetzt auch nicht mehr so wichtig. Indem ich alles was kommt, SEIN lasse, es durchspüre, es ernstnehme, zu MIR nehme, bei manchen auch ein Ritual oder eine bewußte Verwandlung mache, ist es gut, wie es ist. Das volle Leben ist alles. Auch das Schwere. Ich bin die Mutter meiner Herzenslust und die Mutter meines Schmerzes. Alles darf sein und sich ausdrücken.

Während ich tief in dieses Annehmen von ALLEM gehe - steigt eine neue Kraft in mir hoch: eine tiefe Liebe zu mir selber. Voll intensivster Sanftheit, Zärtlichkeit und verwegener Lebensfreude. Ein weiser Freund stellt mir die uralte, 1000de male wiederholte, und gerade deshalb so essentielle Frage: Was steht dahinter? Welche Kraft steht HINTER der Beziehung, die du nicht loslassen kannst und willst?

Und wieder die Erkenntnis: eine ganz ganz tiefe Liebe und Liebesfähigkeit - zu mir SELBER! 

Ich spüre, wie ich mit jedem mal SPÜREN dieser Liebe tiefer in meine Mitte sinke. Ich sitze tief im Tank, in meinem Bauch. Fühl mich mächtig und rund wie eine Matrone. Und von DIESEM Zentrum aus gestalte ich jetzt meine und unsere Welt. Langsam und beständig, verspielt und ernsthaft, mächtig und sanft. So ehrlich wie möglich mit MIR und somit ALLEM was ist.

Ich frag mich: warum halten wir unangenehme Situationen, hinderliche Lebensmuster, einen einengenden erschöpfenden Alltag - das Leiden - oft so lange und kreativ aus?? Weil es dahinter einen noch tieferen Schmerz geben könnte??? Auf den wir nicht schauen müssen, solange wir irgendeine Form von scheinbarer Sicherheit haben?

Es gibt Lebenszeiten, da ist es  nicht möglich, tiefer zu gehen.

Erst als ich wieder gestärkt war, als die Freude und Schönheit des Lebens mit neuen Erfahrungen sich in mir breit machte, hatte ich den Mut - und das ging dann ganz von selber - den nächsten Schritt zu tun. Ich habe höchsten Respekt vor dem richtigen Zeitpunkt, den nur jede/jeder für sich finden kann!

Auch ein Samenkorn weiß genau, WANN der richtige Zeítpunkt ist, durch die Samenhülle, durch die Erde ins Licht zu brechen. Wird ihm ein richtiger Zeitpunkt vorgegaukelt (zb. künstliches Licht), kann es sein, dass es erfriert. Verpaßt es den Zeitraum, vertrocknet es in sich.
Ist es stark, kann es mit den Verwirrungen umgehen. Manche werden dadurch resistent gegen die Herausforderungen und geben diese Zellinformationen weiter. So entstehen neue Pflanzenarten bzw. passen sich diese Lebewesen intelligent und intuitiv optimal den sich ändernden Lebensbedingungen an. Sehr genau und anmutig. Mit immenser Kraft und doch auch verspielter Leichtigkeit und Gelassenheit.

Buchtipp:
PflanzenPalaver, Belauschte Geheimnisse der botanischen Welt, Florianne Koechlin, Lenos Verlag

Ich bin noch schwach. Spüre, dass auch diese neue innere Kraft will, dass sie sich in IHREM Tempo, ganz individuell, entfalten darf. Sich Mut zum langsamen Wachstum wünscht. Wie ein Samenkorn, das auch SEINE Zeit braucht. Sonntags weine ich immer noch.

Jetzt sind meine Kräfte im Gleichgewicht - und alles wächst hin zur Entfaltung und in die volle Blüte. Ja, auch ich werde gelockt und begleitet von einer unendlichen Liebeskraft auf meinem Weg in den Frühling. Und ich werde meinen ganz eigenen Weg gehen - und freu mich, DEINEM EINZIGARTIGEM zu begegnen!


Veronika, 15. März 2009

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