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Naschmarkt
Frühlingsblütenspiel
Veronika Schenter
22.04.2009

Ich sitze am Gangfenster mit Blick auf den Innenhof. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und AUS meinem Bauch.

Ich fahre mit dem Rad zur Bücherei - und plötzlich rolle ich über einen Blütenteppich, während es gleichzeitig kleine rosa-weiße Blätter regnet, betrunken von süssen Düften. Ich jauchze vor Vergnügen, die Füße hochwerfend, während hunderte Autos neben mir entlang des Wiener Gürtels weiterfahren.

Heute bin ich da, mitten in einer kaum faßbaren Fülle, die täglich mehr wird, und kann sehen, dass der tiefe Schmerz (siehe Blog "Gleichgewicht der Kräfte") aus der Vergangenheit so gesehen ein "Geschenk" war. Es tut noch immer weh und die Tränen beginnen zu fließen, wenn ich an die bitteren Verletzungen und Verlogenheiten denke. 

Und doch spür ich mit jeder Faser meines Körpers, dass dieses tiefe Fallen, mich selber auflösen,verlieren ermöglicht hat, dass ich mich NEU finde. Dass ich in den "Keller des Kellers" gefallen bin - dort wär ich nie freiwillig hingegangen!!! - um HINZUSCHAUN, manches zu sehen, vielleicht auch zu heilen, den Rest anzunehmen.

Und der Aufstieg fühlt sich an, als wär ich von einem Wasserwirbel zuerst nach ganz unten gedrückt worden - und dann - dort wo ich fast zu ertrinken drohte - mit einer Richtungsänderung nach oben gedreht würde. Und das geht weiter und weiter. Jeder Tag hat eine neue Tiefe und Feinheit für mich, ich komm aus dem Staunen nicht mehr raus. Sovieles geht leicht, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen konnte. Mein Leben ist so reich wie noch nie, weil ich so viel spüren kann, wie noch nie zuvor.

Ich lebe mich in eine Freiheit hinein, von der ich derzeit nur eine Ahnung hab. Wovor soll ich noch Angst haben? 

Ich hab Angst davor, morgens nicht ausschlafen zu können. Weil dann steh ich den ganzen Tag irgendwie neben mir und kann mich & das Umfeld nicht so fein wahrnehmen wie sonst. Bin dadurch auch weniger mutig.
Und sogar DAMIT ist gutes Leben möglich!! Ich bin halt auch mit Lebenssituationen konfrontiert, die NICHT optimal sind! Wer hat das schon immer! Und ich arbeite daran, dass die Rahmenbedingungen immer optimaler werden. Stetig und gelassen.

Ich hab keine Angst mehr vorm Ertrinken in Tränen, Trauer, Schmerz. Weil ich die Erfahrung hab, ICH BIN das Wasser. Genauso wie ich vor einigen Jahren Angst vorm Feuer hatte - Erinnerungen an den Scheiterhaufen tauchten aus mir auf. Ich gab mich dem Prozess hin - um zu erleben, am tiefsten Punkt - ich BIN das Feuer!!! ICH bin die Flamme, die MICH transformiert - die mich in das Geheimnis einführt: ICH bin ALLES. Feuer und Wasser und Erde und Luft.

Ich hab ein bißal Angst davor, mich selber wieder zu verlieren. Dieses tiefe feine Gespür für mich ist noch so neu. Und doch weiß ich: 1 x gefunden - immer gefunden. Also - 1 x gefunden - verloren - wieder gefunden.

Und so leg ich mich verwegen rein in die Welt, in den Tag, spür mich, schaue zu, packe Gelegenheiten frech und verwegen am Schopf, spiel mit neuen Verbindungen. Erlebe Irrungen, Zwischenzeiten in denen ich mich nicht auskenne, neue Erkenntnisse. Manchmal geht es leicht, manchmal ist es schwerer. Manches riecht köstlichst - manches stinkt und maches kann ich nicht einordnen. 

Halte Vorträge mit und vor Führungsfrauen. Arbeite mit weisen Frauen und Männern an einzigartigen Konzepten. Bekomm von lebenserfahrenen Menschen die Rückmeldung, wie ich sie berührt hätte. Erlebe Frauen, denen sich nach einem Seminar bei mir neue Dimensionen von Lebensglück eröffnen. Und werde von Wissenschaftler/innen in meiner Arbeit ermutigt.

In manchen Momenten fühl ich mich auch einsam. Wenn ich länger als ich möchte allein in meinem Wohnbüro arbeite. Dann freu ich mich auf den Herbst - und den Mann/die Frau, mit dem/denen ich dann zusammenwohnen werde. Auch wenn ich noch nicht genau weiß, wo und wie. Ich weiß, ich werde in den nächsten Monaten die passenden Menschen und Räume finden. Und manchmal wein  ich dann. Ohne genau zu wissen - aus Glück oder Trauer? Und dann ist es wieder leichter.

Wenn ich mich dann nachmittags für eine Verweil-Weile auf die be-sonne-ne Parkbank lege, umgeben von Autohupen, Hausabreißlärm, Kinderquitschen, um nur in mir, bei mir anzukommen, kann ich sehen, wo sich wieder eine Knospe zur Blüte geöffnet hat. Und wie sie mich ermutigt, ihre Schönheit zu tanzen.

Voll Feinheit und Frechheit.
DAS ist MEINE Art, die neue Welt, das neue System, mitzugestalten.
Im Frühlingsblütenspiel.
Und ausgeschlafen.
Meistens.

Kommentare
Herta Steidl  
30.04.2009

Hallo Veronika, nun habe ich auch Deine Blog-Seite gefunden.

So wie ich damals in Venedig bist nun auch Du also ins Wasser gesprungen. Meine Erfahrung: solange ich mit der großen Zehe immer wieder tastete, ob ich noch "Grund" habe (eine Technik aus der Zeit, als ich schwimmen lernte), konnte ich nicht frei schwimmen. Ich fühle nun so wie Du: ich bin im Wasser und bin gleichzeitig das Wasser. Die Feuererfahrung ist noch zu erarbeiten.

Liebe Grüße

Herta

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