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Naschmarkt
Heilig und wild - mein Südengland
Veronika Lamprecht
11.08.2015

Unsere magische, sanfte Südengland-Reise zu Kraftorten ist kein Urlaub im klassichen Sinne, sondern eine Seminarreise. Ich führe die Menschen zu ausgesuchten Plätzen, wir ehren sie, hören ihre Geschichte und Geschichten. Dabei konzentriert mein Liebste sich auf intellektuellere Beschreibungen, ich führe in die Tiefe, zu den Ursprüngen. Und dann verweilen wir, meist nach einer gemeinsamen Einstimmung. Und meist solange, bis jede und jeder der TeilnehmerInnen das Gefühl hat, jetzt bin ich fertig. Fertig - im Hinspüren, Hinhören, Hingeben, im herumstreunen und mit allen Sinnen diesen Ort wahr-nehmen. Und mit dem Fotografieren, das kommt auch nie zu kurz. :-) An manchen Orten war ich schn vier mal, an anderen das erste mal: unser sorgfältig geplanter Reiseverlauf hat nämlich auch noch die Offenheit, wesentliche Orts-Wünsche der TeilnehmerInnen aufzunehmen! Oft zeigt sich auf bekannten Reiserouten wieder was neues. So ist jedes Jahr ein neues Erlebnis für mich, sowohl was das Land - als auch die Menschen betrifft!

Liege abends untern Nussbaum im Hofgarten. Wir schlafen wieder im Freien, will mit der Natur hier in Eschelberg nach der zweiwöchigen Abwesenheit wieder auf Hautkontakt gehen. Den ersten Tag zuhause hab ich im Büro verbracht, und jetzt fehlt mir Lebendigkeit! Also raus in den Garten, unter den dichten Sternenhimmel, "wie in Griechenland", meint mein Liebster. Ich sinne nach, was denn heuer nachwirkt. Was denn das besondere an diesem meinem Südengland ist?

Heilig und wild, fällt mir ein.
Wir waren heute vorm Schlafen gehen noch eine Runde durch die Siedlungen spazieren. Das Liebliche, durch das ich jetzt 2 Wochen gewandelt bin, fehlt mir. Hier im Mühlviertel sind die Häuser in Streusiedlungen angelegt. Kein neues Haus nimmt Bezug auf die sie umgebende Landschaft oder folgt einen Stil, der mit den Energien des Ortes mitgeht. Es hat lediglich Bezug zu den individuellen Geschmäckern und Bedürfnissen der BesitzerInnen. Harmonie und Verbundenheit fehlt.In Südenglands Dörfern sind fast alle Häuser aus Steinen der Umgebung erbaut. Statt Streusiedlungen gibt es Nester, die sich in die Landschaft schmiegen. Diese Nester sind von Feldern und Schafweiden umgeben, die mit wilden, bis zu 4 Meter hohen Hecken, umhäkelt sind, die das ganze Land durchziehen. "Hier schaun die Dörfer wirklich so aus wie die Illustrationen in meinen Kinderbüchern", schreibt ein Journalist.
Autofahren ist Teamwork, weil auf den meisten Landstraßen immer nur ein Auto Platz hat. Treffen zwei Autos zusammen, fährt das zurück, das die nächste Ausbuchtung am Weg hat. Dort parkt es sich haarscharf am Brombeerbusch, Loorbeerbaum oder auch mal am Felsen ein und wartet, mit eingeklapptem Spiegel, bis das andere Auto vorbeigekrochen ist. Dabei grüßt man/frau sich freundlich, machmal ist auch ein Scherz dran. Um dann den Weg weiter fortzusetzen, bis zur nächsten Begegnung. 

Hier sind die Menschen mit der Natur in Beziehung, sie leben mit dem Wildwuchs. Oft bestehen die Hecken auch aus Baumalleen, die auf Steinmauern wachsen. An den Rändern beschnitten wachsen sie in ca. 4 Meter Höhe über der Straße zusammen und bilden somit einen Tunnel durch einen Wald. Wilde Hecken sind übrigends auch entlang der Autobahnen zu finden, allerdings kürzer gehalten. Inzwischen sind diese Hecken geschützt und zu einem Merkmal von Südengland geworden.
Ich vermisse diese Wildheit hier im Dorf!

Wild erlebe ich auch die Elemente auf unserer Reise: der Wind im Dartmoor ist fast immer anzutreffen, es regnet häufiger als im restlichen Europa (218 Tage im Jahr). Auf einer Wanderung über die weiche Erde steht man schon mal auch mit einem Fuss im Moor. Dann zeigt sich wieder ein mächtiges Granitmonument auf einer Anhöhe, das einfach erklommen werden kann und einen Weitblick ermöglicht, den ich bisher noch nie erlebt hab. 

Die Natur ist natürlich und das wirkt heilig und heilend. Es macht zutiefst lebendig, wenn eine Horde halbwilder Pferde durch das Tal galoppiert, einige Meter von mir entfernt. 

Heuer haben sich die Kirchen auf eine besondere Art gezeigt: mehrmals kamen wir an einer vorbei, wo wir zum Cafe eingeladen wurden! In der kleinen normannischen Kirche an der Cornwall-Küste hat das ganze Dort ein "Flower-Festival" ausgerichtet und originelle Blumendekorationen in ALLEN Bereichen der Kirche drapiert. Dazu gabs rund um das Taufbecken einen großen Stand mit Kuchen, Keksen, Quiche, Scones, Kaffee, Tee, Säften und ausreichend Cafehausbestuhlung, auf denen die Frauen und Männer ihren Lunch einnahmen. Ähnliches ist uns nochmals in Bath begegnet, wo eine St. Michaeals Kirche nach ihrer Schließung auch als Cafe wieder eröffnet hat. Und jetzt an 7 Tagen die Woche BesucherInnen empfängt. In Somerset ist eine ganze Kapelle im Besitz einer Familie. Im Obergeschoss - ehemaligen Glockenturm - haben sie Privaträume eingerichtet und im Ergeschoss genießen Gäste die hausgemachten Kuchen zum Cream Tea. Ein hübscher kleiner Garten lädt lärmresistente Menschen zum Verweilen ein - die Autobahn geht hinter der Hecke vorbei.

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