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Naschmarkt
Herbstlicht
Veronika Lamprecht
11.09.2013

Wir schreiben das Jahr 2013. Es ist ein strahlender Anfang-September-Sonntag-Vormittag in Wien, im  22. Bezirk. Dort wie die Wohnblocks bald aufhören und der einzige Nationalpark der Welt innerhalb eines Stadtgebietes, genannt „Lobau", sich nach einer viertel Stunde Radlfahrt breit macht. 
Ich sitze auf meinem kleinen Balkon einer Genossenschaftswohnung und schau dem Herbst zu, 
wie er sich einspielt. Es ist heiß, wie im Sommer, und doch ist etwas ganz anders geworden.  Gestern war dieser Tag, auf den ich schon gewartet hab: dieser Tag, an dem ich aufstehe, rausgehe, schau, Sonnenbrille rauf und Sonnenbrillenrunter gebe und dann feststelle: das Licht ist anders!

Das Blau des Himmels und und die Farbe der Blätter und die Luft dazwischen. Alles wirkt milder. Ab heute beginnt der Herbst. Für mich. Für die AstronomInnen beginnt er heuer am 22. Sep. um 22:44 Uhr MEZ. 

Ich trinke noch immer an Sonntagen Earl Grey Tee und esse gesalzene Butterbrote, eine sinnliche Erinnerung an die Südengland-Reise. Dieses feine Teegebräu mit 2 Tropfen Zitronensaft, hat sogar meinen Kaffeegenuss gekillt. Still und leise, überraschend. 

Für was bin ich dankbar in meinem Leben, frag ich mich? Was trage ich als Ernte in meinen Speicher und Erdkeller? Was will ich feiern? Und was darf endgültig gehen, auf den Kompost oder als Samen tief in den Schoss von Mutter Erde, wie eine Walnuss oder
Krokusse, die dann im Frühling austreiben werden? (Falls sie die Wühlmäuse oder
die Eichkätzchen nicht auffressen.)

Noch tauchen keine tiefen Antworten auf. Ein Wohlgefühl will sich breit machen, ohne
Erklärungen und tiefe weise Erkenntnisse und Meditationen. Ich erlaube es. Ich werde mit den Fragen gehen. Und sie gehen mit mir. Und mit dem Wohlgefühl, solange es bleiben mag. Hoffentlich bleibt es lange genug.

Morgen gehe ich ins Otto Wagner Spital auf die psychosomatische Station, eine Freundin
besuchen. Diesmal mag ich den Ohnmächten, denen ich dort begegne, die Verzweiflung, die sie ib mir auslösen, nicht erlauben, mich auszubeuten.Es wird schwierig – und ich werde gewinnen. Erntedank, die Fülle will gewinnen!



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